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Sabine Harton

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Out ist der Moment der Entkernung, ein Ausbruch und eine Entbindungin ein neues Format, eine Transformation, die sich auf ihren Ursprung bezieht, der Versuch eines Abschieds, der nie ganz gelingen kann.

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Auszug der Einführung von Mischa Drüner, Künstlerhaus Göttingen 2018

"... In den hier gezeigten Arbeiten von Sabine Harton geht es immer wieder um die Wende und das wenden. Metamorphosen, Um- und Überformungen, Veränderungen, Entwicklungen. Um das Werden. (Das vielbemühte Wort „Würde“ ist übrigens der Konjunktiv von werden! Also auch eine Form von „sein“.)

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Beim Durchschreiten der Räume begegnen wir vielem Material. Das ist alles ganz physisch, körperlich. Und da ist viel geschichtet. Schichten schichten sich zu Geschichten. Dicke Schichten zu Wänden, die Schutz sind und gleichzeitig Lein-Wände. Auf diese fallen dünne Schichten wie Lichtprojektionen, Filme, teilweise auch diese geschichtet übereinander projiziert. Alles sehr variabel in seiner Sichtig- oder Durchsichtigkeit. Dann wieder Leinwände auch als Stoffe für Kleidung, Gewebe für Hüllen und Gefäße, die in unterschiedlichem Maße durch ihre Form preisgeben, was in ihnen sein, gewesen sein oder werden könnte. Dort hinten eine Muschel-Anmutung. Form, dem Rhythmus der Gezeiten ausgeliefert und selbst im Rhythmus von Öffnen und Schließen lebend. Diese hat einen Reißverschluss. (Die Englischen haben den Zipper. Warum eigentlich heißt es bei uns nur Reiß- Verschluss? Warum nicht auch Reiß-Öffner?)

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Da gibt es Häute, Kokons und Schleier, die das Ich verbergen. Wir haben diese Anzüge gesehen, Kleider, die schützen und verbergen, aber auch hindern, behindern: Hände am Handeln, Füße am Fußen und Häupter daran zu behaupten, „ein Kapitel aufzuschlagen“. (Kapitel von Lat. caput Kopf / Haupt —> „Hauptstück“!) Diese Hüllen haben stets ein Innen und ein Außen. Damit sind sie Metapher für den Menschen als potenziellen Träger. Innenwelt, Psyche. Und Äußeres, der Welt Zugewandtes. Gesicht. Französisch „face“. Davon das Wort Fassade. Und die Frage nach deren Kongruenz. Authentisch will man sein, aber auch oft lieber nicht, denn wer will uns schon ungeschminkt?

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So ist der Mensch - nach den Existenzialisten ein „Geworfener“ - immer auch ein sich Entwerfender.Und diese seine Ent-Würfe, seine Pro-jekte (lateinisch für Auf-Würfe), projiziert er auf die Lein-Wände seines Innenraums. Wenn man diese durch Häutung veräußert, hat man das Kino hinter sich und wandert in die Feuerprobe der Realität, der Wirklichkeit. Und? Wirkt es? Oder bleibt es un-wirklich? Ja, Leben im Sinne von erneuernder Formung ist immer ein Abenteuer. Und da gibt es kein groß oder klein, Abenteuer ist nicht quantifizierbar. Ein Abenteuer ist ein Abenteuer ist ein Abenteuer. Wie wir uns dem stellen oder verweigern, wie wir in es eintauchen und mitgehen oder es vermeiden und davon laufen - das macht den ganzen Unterschied. Die Passion. Leidenschaft. Leiden. Schaffen.

Dieses Thema hat Sabine Hartons Arbeiten in den letzten Jahren (und dabei handelt es sich um mehr als ein Dutzend Jahre) sehr bestimmt. Da ging es um eben diese Wendungen, Kokons als Entwicklungsräume, Wachstums- und Schwellenräume. Häute als Zurückzulassende, weil nicht mehr Passende, ebenso wie Kleider - unsere Zweithäute. Und Lebens-Entwürfe auch. Da tauchen die zu werfenden Würfel wieder auf! Im Gespinst gesponnene Entwürfe quasi als ein Entwürfeln um das noch ungelebte Leben.

„OUT“ ist der Titel dieser Ausstellungen. Jetzt also „raus aus diesem Thema“? Oder „draußen“ im Sinne von raus aus dem Kokon? Kein Rückzug? Den Vor-Zug des Neuen nehmen? Es handelt sich also um eine Rückschau. Das heißt, dass von hier aus vorausgeschaut werden darf. Geht aber nicht. Man muss gespannt sein können und aushalten, dass man es eben noch nicht sehen kann. Nicht im Kokon. Auch nicht wenn man draußen ist. Und trotzdem sehen wollen."

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Bilder, Objekte, Filmsequenzen

mit einer Tanzperformance durch Schülerinnen der Göttinger Ballettschule Art La Danse unter der Leitung von Judith Kara und Sabine Harton

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